3 Fragen an Ronny Jakubaschk

NahDran | 28. Oktober 2026

NahDran - 3 Fragen an Ronny Jakubaschk

Gibt es etwas, das für dich jedes Jahr zu Weihnachten dazugehört?

Ja, der Schreck am 26. Dezember, dass Weihnachten und die Adventszeit schon vorbei sind. Das Bedauern darüber, dass ich diese besondere Zeit im Jahr nicht noch mehr geniessen konnte, verbunden mit dem festen Vorsatz, das im kommenden Jahr besser zu machen.

Wie oft bist du der Weihnachtsgeschichte schon begegnet und wie hat sich deine Perspektive auf die Geschichte erweitert?

Als Kind hatte ich tatsächlich gar keine Berührung mit Dickens Erzählung. Ich bin in der DDR aufgewachsen und zumindest in meiner Familie waren das Buch oder dessen Verfilmungen nicht Bestandteil der Weihnachtszeit, die andere berühmte Weihnachtsgeschichte, also die der Bibel, allerdings auch nicht.

Als Jugendlicher habe ich dann eine erste Theateraufführung des Stoffs gesehen und eine Verfilmung und ich habe versucht, das Buch auf Englisch zu lesen. Die Atmosphäre hat mich sofort begeistert. Das Geisterhafte. Das Dunkle. Das Verführerische. Die Reise durch Raum und Zeit. Der Blick in die Vergangenheit und die Zukunft. Die traumhafte Wirklichkeit, das eigene Leben beobachten zu können. Ich mochte die Illustrationen des Buches. Das viktorianische Setting. Das liebevoll Entrückte. Das kitschige, anmutige, märchenhafte und gleichzeitig sehr ernsthafte der Fabel. Mich hat dieser alte Mann unendlich gerührt. Seine Einsamkeit. Seine Erstarrung. Seine Unfähigkeit zu lieben und sich auf seine Mitmenschen zuzubewegen. Sein unerschütterlicher Glaube an das Geld, das ihn nicht glücklich macht. In gleichem Masse hat mich gerührt, dass er zu einer völligen Verwandlung fähig ist.

Mit zunehmendem Alter schaue ich immer wissender und verständiger auf die Geschichte, die danach fragt, wer man war und ist im Leben, was man geschafft hat, was gewonnen und was verloren. Dickens stellt unüberhörbar die Frage danach, wer man sein, wie und mit wem man leben möchte. Dies funktioniert sowohl als Überlegung für ein zukünftiges Leben als auch als Rückschau auf das gelebte. Das macht diese Geschichte zu einer perfekten Erzählung für alle.

Wie wirst du «Eine Weihnachtsgeschichte» am Luzerner Theater inszenieren?

Überraschend soll die Aufführung werden. Ein bisschen erschütternd. Auch gruselig. Sehr humorvoll. Unbedingt versöhnlich. Berührend. Wir wollen einen sinnlichen Bilderreigen schaffen, mit allem, was das Theater zu bieten hat: Ein Ensemble, das sich lustvoll, albern, ernsthaft, körperlich auf die Rollen wirft und in die Geschichte stürzt. Eine Bühne, die sich immer wieder verwandelt und Bilder und Räume schafft für dieses Spiel. Kostüme und Masken, die opulent sind und Bekanntes neu kombinieren für einen grossen Schauwert. Musik und Lieder, die ebenfalls eigens für diese Aufführung geschrieben und komponiert wurden, die eingängig und mitreissend sind. Also, im allerbesten Sinne ein Ereignis.