Premiere «Der zerbrochne Krug»
NahDran - 3 Fragen an Fritzi Wartenberg
NahDran
3 Fragen an Fritzi Wartenberg
Die Dramaturgin Amelie Lopper hat für uns 3 Fragen an die Regisseurin Fritzi Wartenberg gestellt, die aktuell die Produktion «Der zerbrochne Krug» auf die Bühne des Luzerner Theaters bringt.
Warum bringst du «Der zerbrochne Krug» von Kleist auf die Bühne?
Ich bin schon lange großer Fan von Kleist und der Text ist – getarnt als locker-flockige Komödie – heute mehr denn je zum Stück der Stunde geworden: Was tun, wenn das System, das für Recht und Ordnung sorgen soll, selbst auf missbräuchlichen Strukturen aufgebaut ist?
Woher kommt die Übersetzung in die Welt des Wilden Westens?
Eine Frage, die mich gerade umtreibt, ist die nach der Legitimation von Rache. Wenn das Rechtssystem nicht imstande ist, für Gerechtigkeit zu sorgen, ist dann Rache ein probates Mittel? Deshalb kam mir die Lust, mich an eine Überschreibung von «Der zerbrochne Krug» heranzuwagen. Die Zeiten haben sich geändert, warum sollen es die Figuren nicht auch?
Mich hat vor allem interessiert, der Figur der Eve, die im Kleist-Original notgedrungen immer passiv in ihrer Opferrolle verharren muss, mehr Handlungsmacht zu verleihen. Deshalb wollte ich die Rollen von «Opfer» und «Täter» bewusst verschieben – so wie es heutzutage im öffentlichen Diskurs ständig passiert. Denn im postfaktischen Zeitalter scheint die Wahrheit nicht halb so mächtig zu sein wie das mediale Narrativ, das möglichst viel Aufmerksamkeit erweckt. In welcher fiktionalen Welt könnte man humorvoller über «Opfer», «Täter», «patriarchale Macht» und «Rache» sprechen als im Western?
Worauf freust du dich in Luzern?
Abgesehen vom brisanten Stoff freue ich mich natürlich besonders auf die Arbeit mit meinem Team und dem Luzerner Ensemble.
Ich hoffe, es gelingt uns, abseits des manchmal stressigen Probenalltags auch ein bisschen Luzern zu erkunden und vielleicht sogar – zusätzlich zu unserer Premiere – noch andere Gipfel zu erklimmen.